Camino del Norte #3 – von Noja nach Güemes

Landsafari-TrekkingHiking-Camino del Norte-Spanien

Tag 3 unserer Fernwanderung auf dem Pilgerweg. Die nächsten 15 km lagen vor uns. Wir verließen die schöne Unterkunft La Casona B&B und ihre überaus nette Besitzerin Elena ohne Frühstück. Patrizia kann so früh nix essen also hatten wir unseren Proviant am Tag zuvor aufgestockt. Salami, Käse und Baguette für unterwegs sollten reichen. Um 8 Uhr wanderten wir los. Das Wetter war leider wieder nicht das schönste. Wir schworen uns, sollte zum Ende unserer Wanderung endlich die Sonne rauskommen, würden wir nach Noja zurückzukehren und den Strand und das Meer genießen.

Etappe Noja nach Gueemes, Camino del Norte, Nordspanien,Jakobsweg, Karte
Noja nach Güemes, 15,12 km, 4:14 Std.

Relativ schnell waren wir aus der Stadt raus und liefen durch Wiesen und Felder an Kuhherden und Pferden vorbei. Unterwegs sahen wir immer wieder Pilger, die in der gleichen Unterkunft genächtigt hatten. Ehrlicherweise hatten wir keine Lust uns anzuschließen. Manchmal ist es eben schöner, allein zu laufen.

Nach ein paar Kilometern fiel mir auf, dass ich mein thailändisches Schutzamulett in unserer Unterkunft vergessen hatte. Zum Glück gibt es Facebook. Über den Messenger konnte ich Elena kontaktieren und ihr genau beschreiben, wo ich das Amulett liegengelassen hatte. Sie versprach mir es nach Deutschland zu senden. Und sie hat ihr Versprechen gehalten. Das Amulett traf ein paar Tage nach unserer Rückkehr ein. Es war wirklich sehr lieb von ihr, sich die Mühe zu machen und es auf den Weg zu bringen.

Der Weg war relativ einfach mit nur einigen wenigen Steigungen.

Leider wurde das Wetter allmählich schlechter – blieb aber trocken.

Wir gingen händchenhaltend unseren Weg. Der Herbergsvater einer kleinen Herberge am Wegesrand fand das so süß, dass er uns unbedingt fotografieren wollte. Scheinbar gibt es wenig händchenhaltende Paare auf dem Jakobsweg :-). Oder er dachte, wir uns hätten uns auf dem Camino kennen und lieben gelernt. Man munkelt, das passiert hin und wieder.

Unterwegs trafen wir Joe wieder, der uns einige Zeit begleitete. Jetzt am dritten Tag merkten wir, dass man einigen Wanderern immer wieder begegnete. Einige entschieden sich dann auch gemeinsam zu laufen. Wir wollten jedoch die Ruhe genießen und hatten zu dem Zeitpunkt keine Lust auf Gespräche.

Auf den letzten Kilometern wurde es langsam aber sicher immer dunkler – der Regen kam näher. Übers Handy suchte ich einige Unterkünfte in Güemes raus. Die endgültige Wahl fiel auf ein sehr schönes altes Bauernhaus, das Posada Rural Camino del Norte.

Das Haus ist wunderschön, grobe Steine, Balken und Holzfußboden. Leider sind die Fenster in diesen alten Häusern sehr klein – so wirken die Zimmer immer sehr dunkel. Aber ansonsten ganz liebevoll restauriert und eingerichtet. Man merkt, dass viel Herzblut drin steckt.

Das ältere Paar, dem der Gasthof gehörte, sprach ausschließlich spanisch. Das machte die Versuche der Verständigung sehr lustig. Von der Reservierung, die ich unterwegs vorgenommen habe, wussten sie nichts, weil sie kein Internet hatten. Aber es gibt ja noch das Fax, es sprang plötzlich an. Die liebe Verwandschaft nahm die Online Reservierungen entgegen und faxte sie an die Unterkunft weiter. Willkommen in der Offline-Welt :-). Kein WLAN für uns. Auch mal schön.

Kurz das Zimmer begutachtet, das Gepäck verstaut und auf der Suche nach etwas Essbarem ging es aus der kleinen Talsohle raus hinein in das kleine Dorf Güemes. Mittlerweile schüttete es in Strömen. Uns wurde hier ein kleines Lokal zum Essen empfohlen. Restaurante Luis an der Barrio la Iglesia. Was soll ich sagen, es gab ein sehr leckeres und äußerst reichhaltiges 3-Gänge-Menü mit Wein und Wasser für sage und schreibe 10 € pro per Person. Das sind diese berühmten Menüs (manche sagen dazu Pilgermenüs, aber ich glaube, sie stehen jedem zur Verfügung), die man in fast jedem Restaurant bekommt. Patrizia hatte als Vorspeise Spaghetti Cabonara – nach ihrer Aussage die Besten, die sie je gegessen hatte. Und das in Spanien! Die Spaghetti waren nicht, wie sonst üblich, in Sahnesauce ersäuft, sondern ganz fein mit Sahne und Butter angeschwitzt. Ein Gedicht – sagte sie. Könnte aber auch sein, dass ihr der zwischenzeitlich extreme Hunger die Geschmacksnerven vernebelt hat …

Allein dieses Gericht hätte eigentlich schon gelangt. Ich nahm Salat. Als Hauptgericht gab es direkt mehrere Schnitzel mit Pommes. Nichts weltbewegendes, aber nach diesem langen Marsch einfach köstlich. Hier haben wir zum ersten Mal einen Vanillepudding (natillas) gegessen, was ja ebenfalls nicht unbedingt revolutionär ist. Der Koch bei Luis hatte aber einen Trick um das Ganze zu pimpen. Unten in das Glas legte er einen knusprigen Keks, goss Karamellsauce drüber und füllte dann erst den Pudding in das Glas. Himmlisch!! Haben wir leider nicht wieder so gefunden, obwohl wir fast überall einen natillas bestellten.

Man muss echt sagen, auf dem Jakobsweg lernt man sehr leicht viele verschiedene Menschen kennen. Ein Amerikaner am Nachbartisch sprach uns an. Er hatte uns als Deutsche identifiziert und wollte sich ein wenig unterhalten. Er war vor Jahren einige Zeit in Deutschland stationiert und lebte jetzt mit seiner spanischen Frau in Somo, einem kleinen Ort der Küste direkt gegenüber von Santander. Er lud uns ein bei ihm vorbei zu schauen, wenn wir nach Santander gehen würden.

“No vino, no Camino” hörten wir plötzlich hinter uns. Der Lieblingsspruch von Joe. Man lief sich immer wieder über den Weg – so sind die Gesetze des Camino.

Satt und glücklich tranken wir noch einen Café con Leche an der Bar und ließen den Tag gemütlich ausklingen.

Guido

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