Camino del Norte #7 – Auf Abwegen

Jakobsweg, Camino de Santiago, Küstenweg, Steilküste, Spanien, Cantabrien

Das beste zu Anfang

Unser Ziel an diesem Tag, das kleine Dorf Naves, war eins der schönsten Orte auf unserem Camino. Die Unterkunft, die wir nach der Ankunft dort fanden, war ein Traum. Nach dem Tag davor, der nicht so gut gelaufen ist, war das eine tolle Entschädigung. Nirgendwo anders auf der Wanderung habe ich mich  wohler gefühlt.

Das Hotel La Fonte ist ein schönes kleines Haus mit ein paar wenigen Zimmern. Der Einrichtungsstil ist leicht englisch angehaucht (Blümchenpolster etc.). Sehr gemütlich, hell und freundlich. Wir haben ein schönes großes Zimmer bekommen und haben uns direkt wohlgefühlt.

Hier habe ich zum ersten Mal in meinem Leben gesehen, wie ein Bienenschwarm umzieht. In der Luft wimmelte es von Fliegen bis wir feststellten, dass es keinen Fliegen  waren, sondern Bienen.  Sie ließen  sich alle an der Mauer unseres Hotels nieder.

Die Kunst des Einschenkens

Der Hunger trieb uns schnell wieder raus aus dem Zimmer. Da Naves ein entzückendes Mini-Dorf mit 178 Einwohner (Stand 2011) ist, hatten wir Bedenken, es würde kein Restaurant im Ort geben. Aber wir wurden fündig.

Und wie!! Ein kleines Restaurant Bar Sidrería Casa Raúl. Hervorragende Tapas, Wein und das asturische Getränk schlechthin: die Sidra, ein leicht moussierender Apfelwein. Den haben wir allerdings nicht probiert. Es gibt eine bestimmte Art die Sidra ins Glas zu gießen. Man muss sich aufrecht hinsetzen, die Hand mit dem Glas weit nach unten strecken. Die Hand mit der Flasche wird relativ weit oben gehalten und dann geht es los. Es sind ca. 50-80 cm Abstand zwischen Flasche und Glas und einiges landet nicht im Glas. Der Sinn dahinter? Bei der Verbindung vom langen Luftweg und dem harten Aufprall des Apfelweins im Glas wird Sauerstoff gebunden, der die Sidra noch prickelnder und perliger machen soll.

Auf Ab- und Umwegen

Aber zurück zur eigentlichen Etappe, die in Llanes began. Wir haben gelesen, dass man diesen Abschnitt direkt an der Steilküste gehen kann. Auf dem Weg aus Llanes raus hielten wir uns in Richtung Meer. In der Stadt haben wir versucht noch etwas zum Essen zu bekommen, aber es war hoffnungslos. Alle Cafés, Bäckereien waren noch zu. Zum Glück hatten wir noch Bananen vom Vortag. Die Banane hatte während dieser Wanderung einen hohen Stellenwert erreicht. Sie hat uns so manches Mal geholfen die Siesta zu überstehen und nicht unterzuckert zusammenzubrechen. Allerdings konnten wir nach dem Urlaub für Wochen keine Bananen mehr sehen.

Die Beschreibung des Weges las sich leichter als er zu finden war. Am Stadtrand sollte man von der Straße quer Feld ein laufen und wäre quasi auf dem Pfad, den man gehen sollte. Allerdings sahen wir keinen Pfad. Also liefen wir einfach über die Wiesen, stiegen über Elektrozäune, die die Kühe und Pferde in Schach hielten, und kamen irgendwie voran. Es schien überhaupt nicht richtig zu sein aber es war toll. Wir waren weit und breit ganz alleine. Und landschaftlich sah es eher aus wie in Irland und nicht wie in Spanien. Herrliche Landschaften! Irgendwann kam ein Bauer mit einem Geländewagen quer über die Wiese gefahren. Anscheinend war ihm aufgefallen, dass fremde Leute  zwischen seinen Tieren über die Wiese schleichen. Das dachten wir. Aber er war gar nicht an uns interessiert, wollte nur seine Tiere versorgen. Irgendwann haben wir mit Hilfe der gpx Datei auf unserem Handy zur regulären Route zurückgefunden.

Jakobsweg, Küstenweg, Asturien
Haben wir uns verlaufen???

Nach rund 2 Stunden fanden wir dann etwas zu Essen. In Celorio im Restaurante La Tertulia. Ein nicht unbedingt ansehnliches, aber gut gelegenes Lokal am Strand. Leckere Sandwiches und guter café con leche. Wir haben dort ein längeres Päuschen eingelegt und sind dann ausgeruht und gut gestärkt weitergegangen. Ansonsten war die Etappe sehr abwechslungsreich. Sie führte durch Wälder – ein kleiner Waldbrand inklusive – über Wiesen, vorbei an kleinen Bächen und Mühlen mit ein paar An- und Abstiegen. Wir kamen dem Meer wieder sehr nahe, leider auch der Schnellstrasse, die wir kurz vor unserem Ziel unterqueren mussten. Alles in allem eine schöne Etappe, die nicht sehr anstrengend war. 

Jakobsweg, Küstenweg, Asturien
Wer bist Du denn?

Für Cineasten – Llanes de Cine

In der Gegend um Llanes stößt man immer wieder auf Schilder, die auf Filmschauplätze hinwiesen.  In den letzten 50 Jahren wurden in dieser Gegend dutzende Filme gedreht. Der Film “Das Waisenhaus” wurde beispielsweise am Strand von Andrín und in einer gruselig wirkenden alten Villa in Llanes gedreht.
Wir kamen  nach gut 5 Stunden und fast 16 Kilometern gegen 15 Uhr erschöpft und glücklich in Naves an.

Jakobsweg, Küstenweg, Asturien

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