Camino del Norte #8 – Der erste Tiefpunkt

Die Etappe von Naves nach Ribadisella war diesmal nicht besonders lang, ca. 16,5 km, also haben wir es mal etwas gemütlicher angehen lassen. Wir haben ein kleines aber feines Frühstück im Hotel genossen und uns dann relativ spät auf den Weg gemacht.

Brot, Wasser und Peitsche.

Peitsche hatten wir nicht dabei.

Brot hätten wir sehr gern gehabt. Ein Paar belegte Brote oder ein Baguette für den Weg, das wäre herrlich gewesen. Bananen konnten wir langsam nicht mehr sehen. Leider waren unsere Vorräte für den Weg überhaupt nicht aufgefüllt. In Naves haben wir am Tag zuvor fußläufig keinen Supermarkt gefunden und konnten uns nicht mit Lebensmitteln eindecken. Wir hatten aber auch nicht daran gedacht, dass am nächsten Tag Sonntag wäre, sonst hätten wir uns vielleicht mehr Mühe bei der Jagd nach Lebensmitteln gegeben. Also hatten wir erstmal nur ein kleines Tütchen Nussmischung dabei. Nüsse sind ja bekanntlich gesund, liefern Energie und eignen sich gut als Zwischensnack. Ein kleines Tütchen Nüsse ist aber leider nicht ausreichend als Hauptenergiequelle für zwei. Da das Frühstück auch nicht so ausgiebig ausgefallen war, hatten wir im Verlauf des Tages echt Probleme vorwärts zu kommen. 

Wasser gab es zum Glück ausreichend direkt am Marktplatz aus einem Trinkwasserbrunnen. Wir konnten unsere Flaschen auffüllen und waren gut versorgt.

Im nächsten größeren Ort konnten wir uns in einem kleinen Laden zumindest mit Aprikosen versorgen. Nicht gerade ein großer Energielieferant, aber es musste reichen.

Die Sonne und das Herz lacht.

Ein Blick nach draußen und wir waren happy. Das Wetter war diesmal richtig sonnig und warm. Einerseits super, schließlich hatten wir uns tagelang danach gesehnt. Andererseits war die Wärme auch ein Grund dafür, dass es diesmal nicht so locker flockig lief. Es war schon ziemlich schweißtreibend. Aber besser als bei schlechtem Wetter zu laufen.

Wir wanderten über Wiesen und Weiden, an Bahngleisen entlang und ein Stück an der Autobahn. Ringsherum waren einige hohe Berge zu sehen und es war ein ständiges auf und ab. Die Landschaft war abwechslungsreich und malerisch.

Pausen waren dringend erforderlich. Die erste war nach einem längeren strammen Anstieg an der alten Kirche Iglesia de San Pedro de Pria fällig. Es war gerade Messe, wir wollten die Kirchengänger nicht stören, also ließen wir uns draußen im Schatten, in einer Art offenem Seitenschiff, nieder. Schuhe aus, so konnten sich unsere Füße erholen und wir die Aussicht auf die Berge genießen.

Weiter ging es durchs Grüne, immer wieder an Bahnschienen entlang, die wir auch hin und wieder kreuzten.

Der Magen und die Füße leiden

Mitten zwischen grasenden Rindern ging nichts mehr. Wir waren fix und alle. Wir hatten Bärenhunger und keine Energie mehr. Kurzzeitig erwägten wir sogar, über Nacht auf der Weide zu bleiben und dort unter offenem Himmel zu schlafen. Schlafsäcke hatten wir zur Nor dabei. Das hätte uns jedoch bei unserem Problem Essen zu beschaffen nicht geholfen. 

Wir breiteten unsere Handtücher aus und legten uns auf die Weide. Die Rinder schauten etwas misstrauisch, ließen uns aber nach einer kurzen Begutachtung in Ruhe. Ab und zu kamen ein paar Pilger vorbei, die sich erkundigten, ob alles in Ordnung sei. Schön, wie groß die Hilfsbereitschaft auf dem Camino ist.

Nach einer längeren Pause in der Sonne, bei der wir unsere Notration an Nüssen verspeisten, ging es mit letzter Kraft auf die letzten Kilometer. 

Entspannter Ausklang

Und dann lag es vor uns – Ribadesella, ein schöner Ort, der sich zweigeteilt durch eine Bucht ans Meer schmiegt.

Unterwegs hatte ich mich mal wieder über booking.com über evtl. Übernachtungsmöglichkeiten schlau gemacht. Unsere Wahl fiel auf die Pension Arbidel, die günstig und scheinbar auch sehr beliebt bei Pilgern war und zudem mitten in der Innenstadt lag.

Wir haben schnell ausgepackt und haben uns auf die Suche nach Essen begeben. Bedingt durch den Sonntag waren die Restaurants entweder geschlossen und sehr stark frequentiert. Ohne Reservierung hatten wir in einigen Restaurants keine Chance.

Nach etwas längerem Suchen wurden wir fündig. Ein kleines, gemütlichen Restaurant, wir in Köln würden es Kneipe nennen, Meson El Labrador. Wir genossen, wie jeden Tag, ein äußerst opulentes 3-Gänge Menü mit Wein und Wasser – genau das Richtige, um unsere Speicher wieder aufzufüllen. Ein Nebeneffekt des Wanderns, der hohe Energieverbrauch. So konnten wir jeden Tag ohne Reue beim Essen richtig zuschlagen und diverse lokale Spezialitäten wie beispielsweise Fabada, ein asturisches Bohnengericht, ausprobieren.

Gut gestärkt haben wir uns das Städtchen angeschaut und gemütlich einen Café getrunken.

Jakobsweg, Küstenweg, Ribadisella,

Zurück in der Pension hieß erstmal die Blessuren zu pflegen. Die Achillessehne an meinem linken Fuß wies eine Schwellung auf, die bis zum Knöchel ging. Nicht zum ersten Mal. Die mitgebrachte Kühlsalbe brachte keine Linderung. Ich musste mir wohl langsam was besseres einfallen lassen.

Camino del Norte-Etappe von Naves nach Ribadisella

Guido

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