E4 Trans Kreta #5

Fernwanderweg, Kreta, Outdoor, Wandern, Hiking, Trekking, Backpacking

26.05.2016 – Von Elafonissi nach Paleochora

Atemberaubende Bilder und wunderschöne Ausblicke, die sich in unsere Netzhaut gebrannt haben, die wir uns jedoch mit hässlicher Anstrengung erarbeiten mussten.

What came down, must go up – Elafonissi bis Krios Beach

Wir starteten in Elafonissi und liefen eine Weile am Strand entlang bis wir ein Felsenfeld queren mussten. Das haute direkt rein, lies unseren Puls hochschnellen und brachte uns 10 Minuten nach dem Start schon mächtig ins Schwitzen. Es war kein Pfad erkennbar, also mussten wir die Augen offen halten, um das E4 Symbol und die Markierungen auf den Steinen und Felsen nicht zu übersehen. Irgendjemand, ich weiß nicht, ob es die Behörden oder ortsansässige Vereine waren, haben jedoch gute Arbeit geleistet und alles super markiert. Man kann sich gar nicht verlaufen. Wir kraxelten eine Weile über die Steine, bis das Gelände langsam wieder angenehmer wurde.

Die Abwechslung bei der Geländebeschaffenheit war sehr beeindruckend. Gerade noch liefen wir über den Elafonissi-Strand, dann wurde es auf einmal sehr felsig und wir mussten von Stein zu Stein hüpfen, rauf und runter kraxeln und uns zwischen größeren Felsformationen durchquetschen. Dann plötzlich eine von Thymianbüschen überzogene Landschaft, in der sich die Ziegen an dem aromatischen Gewächs sattfraßen. Und auf einmal standen wir wieder im Sand, im Schatten von Pinien, die ihren Duft in der Landschaft verströmten.

Nachdem wir das Felsenfeld überquert haben und die Ziegen bei Ihrer Nahrungsaufnahme gestört haben, kamen wir an einiger wunderschönen kleinen Buchten vorbei. Wir haben auf unseren Reisen bereits wirklich geile Strände gesehen, diese waren paradiesisch. Klein, heller leicht rosafarbener Sand (die Farbe ist auf die von den Wellen fein zerriebenen Muscheln zurückzuführen), keine Menschenseele weit und breit, bis auf zwei unter den Pinien versteckte Zelte. Rund um Elafonissi ist alles Naturschutzgebiet, deshalb werden hier zum Glück keine Hotels gebaut. Und auch sonst kommt kaum jemand hierhin, weil es recht schwer zu erreichen ist. Wenn dann nur zu Fuß und dann muss man den gleichen Weg gehen, den wir gegangen sind. Das tun sich Strandurlauber in den seltensten Fällen freiwillig an. Vor allem, weil der eigentliche Strand von Elafonissi auch schon wunderschön ist.

Ich hätte mich an einer dieser Buchten am liebsten hingesetzt und wäre für immer sitzengeblieben. Seufz… da geht mir das Herz auf, wenn ich sehe, was für wunderschöne Fleckchen es auf der Welt gibt.

Danach wurde das Gelände wieder steiniger und wir wurden wir in eine Art ausgetrocknetes Flussbett geführt, das landeinwärts verlief. Vor uns tauchte eine steile Felsenwand auf, die aussah als ob dort sonst ein kleiner (vielleicht drei Meter hoch) Wasserfall runterkommen würde. Wir waren gezwungen diese Steinwand hochzuklettern. Und das mit den Rucksäcken auf dem Buckel. Das fing ja gut an. Keine leichte Angelegenheit, vor allem für mich nicht, da ich mich im Geiste jeden Moment runterfliegen sah. Diese Stelle hatten wir gut überwunden, das sollte jedoch nicht die letzte von diesem Kaliber sein. Immer wieder mussten wir Felsen hochkraxeln, was sich ziemlich negativ auf unser Tempo auswirkte.

So ging es über Stunden weiter. Wir wanderten an einem schmalen Steig am Steilhang entlang.  Mal rauf, mal runter, mal sanft, mal steil. Und wieder rauf und runter. Die Passagen bergab waren die kritischeren, weil man jederzeit auf dem Geröll ins Rutschen kommen konnte. Hier und dort setzte der Pfad aus. Trotz der Wanderschuhe bremste uns das alles aus. Einmal kurz unkonzentriert gewesen und schon bin ich auf dem Geröll ausgerutscht. Sobald ich das Gleichgewicht verloren hatte, zog mich mein Rucksack nach hinten. Wir bewanderten den E4 mit unserem ganzen Krempel, deshalb wiegen die Rucksäcke leider einiges. Zum Glück landete ich relativ weich auf demselbigen und hab mir auch sonst nichts getan. Gar nicht auszudenken, wenn man sich hier das Bein bricht. Es gibt wohl eine Nummer, die 112, die man auf den Wanderpfaden anrufen kann, falls man Hilfe braucht. Aber wie das dann funktioniert, kann ich mir nicht vorstellen, denn das Gelände ist nicht so schnell zugänglich. Auf schnelle Hilfe kann man dann wahrscheinlich nicht hoffen.

Ab dieser Stelle wurde ich dann leider unsicherer, was das Laufen bergabwärts betrifft und hatte dauernd Angst den Berg runterzufallen. Hier wusste ich, was der Wanderführer mit “trittsicher und schwindelfrei” meint. Das war ich definitiv nicht.

Nach ca. vier Stunden kamen wir auf einem Plateau an, ab hier kamen wir schneller voran. Nach einer Weile auf einem Schotterweg, der auch, den Spuren nach zu urteilen, von Autos befahren werden konnte, stellten wir fest, dass wir schon seit längerem keine E4 Markierungen mehr gesehen haben. Wir hatten uns verlaufen. Kurzer Blick auf unsere Karte und den GPS Track zeigte uns, dass wir eine kleine Abzweigung hätten nehmen müssen.  Diese hatten wir übersehen. Gemäß der Karte konnten wir jedoch weiterlaufen und würden bald wieder auf den E4 kommen. So mussten wir glücklicherweise nicht zurückgehen. Mittlerweile war es wirklich heiß geworden, wir waren ziemlich durch und froh, dass wir keine Kilometer extra machen mussten. War es im Westen zwischen Kissamos und Chrysoskalitissa relativ windig, was uns eine schöne Abkühlung verschaffte, so wurde es Richtung Paleochora immer windstiller und wärmer.

Wieder auf dem E4 wanderten wir weiter in Richtung Krios Beach. Der Wanderführer versprach eine Taverne am Strand und uns lief das Wasser im Mund zusammen. Bis dahin hatten wir mal wieder nur Bananen gegessen und sehr hungrig. Der Abstieg zum Strand war nochmal etwas anspruchsvoller. Beim Runterklettern über die Felsen, von den der Strand eingerahmt ist, mussten wir die Hände zur Hilfe nehmen. Krios Beach ist ein recht schöner Kieselstrand, allerdings ohne einen Fünkchen Schatten. Im Sommer wohl kaum auszuhalten, wenn man keinen Sonnenschirm dabei hat.

Und weil wir ja zum Strand runtergeklettert sind, mussten wir auf der anderen Seite des Strandes wieder hochklettern.

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Krios Beach

Aus dem erhofften Essen wurde leider nichts. Entweder war die Taverne pleite, oder sie hatte wegen der Vorsaison noch nicht geöffnet. Also mussten wir ohne Stärkung weiter.

Zwei gegrillte Wanderer bitte! – Krios Beach nach Paleochora

Ab hier war die E4 Passage in unserem Führer beschrieben. Die letzten 2,5 Stunden läuft man einfach die Straße nach Paleochora entlang. Es ist einfacher als der Abschnitt quer über das Gelände, aber natürlich auch sehr monoton.

In dieser Gegend haben sich die Tomatenzüchter angesiedelt. Und so wanderten wir zwischen den Gewächshäusern Richtung Paleochora. Langsam wichen die Gewächshäuser ein paar Wohnhäusern, so dass unsere Hoffnung auf Essen wieder aufflammte. Und siehe da, plötzlich standen wir von einer Taverne. Nichts wie rein. Die Stimmung in der Taverne war mir etwas unheimlich. Es waren nur Männer dort, die uns alle so komisch beäugten. Wahrscheinlich waren es harmlose Arbeiter von den Tomatenplantagen in der Umgebung, die sich eine schöne Mittagspause gönnten und sich über die blöden Touris lustig machten, die freiwillig in der Mittagshitze wanderten. Ich fühlte mich aber nicht wohl und wollte weiter. Der Wirt hatte auch keine Anstalten gemacht uns eine Karte zu bringen oder zu fragen, ob wir etwas essen wollen. An der Wand hing eine Tafel, ich vermute mit den Gerichten, leider ohne Übersetzung. Wahrscheinlich verirren sich sonst keine Touristen dahin. Also haben wir schnell eine Coke getrunken und sind weitergegangen. Zum Glück kam nach ca. 10 Minuten eine weitere Lokalität an der Straße zum Vorschein, mehr ein Bistro als eine Taverne, wo auch Frauen vertreten waren. Hier kehrten wir dann ein,  aßen ein belegtes Baquette, tranken Cappuccino freddo und zogen dann gut gestärkt weiter.

Die 9 Kilometer an der Straße zogen sich wie Kaugummi. Ab dem Ortsschild Paleochora dauerte es noch gefühlt eine Ewigkeit bis wir tatsächlich im Ortskern ankamen.

Nach 7 Stunden und 20 Minuten und 18,91 Kilometern, die wir zurückgelegt haben, kamen wir endlich in Paleochora an. In dem ersten Lokal, das uns in die Quere kam, ließen wir uns nieder, tranken frisch gepressten Orangensaft und kamen erstmal runter bzw. wieder zu uns.

Fazit:

Auf diesem Tripp habe ich leider feststellen müssen, dass ich wohl nie Abenteuer in richtigen Bergen erleben werde, da ich absolut nicht schwindelfrei bin und sich bei mir sofort Panik ausbreitet, wenn ich an einem Abgrund stehe oder ins Rutschen kommen könnte. Und das war leider öfters der Fall, als ich es mir gewünscht hätte. Auch mussten wir feststellen, dass sich die weiteren Etappen – die im Führer als mittelschwer dargestellt wurden und somit schwerer als die, die wir eben hinter uns gebracht haben – wohl schlecht mit dem ganzen Gepäck machen lassen würden. Wir mussten umdenken. Wir wollten auf jeden Fall den E4 Fernwanderweg noch weiter gehen als nur bis Paleochora.

Patrizia

 

7 Kommentare zu „E4 Trans Kreta #5

  1. Hallo Isabell. Ich weiß nicht ob du im normalen Leben Treppenstufe laufen kannst, aber was du über diese Etappe schreibst ist absolut übertrieben. Ich bin diese Etappe mit meiner „nicht schwindelfreien“ Frau mit FliFlps gewandert.
    Nix für ungut …

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    1. Hallo Gold Badisch,
      schön zu lesen, dass diese Etappe für Euch superleicht war. Das ist doch super, Ihr seid so toll!
      Der eine so, der andere so, rein persönliches Empfinden. Danke für den konstruktiven Beitrag, der uns vor Augen geführt hat, dass unser Empfinden ganz falsch war.
      You made my day.

      Viele Grüße und weiterhin viel Spaß mit den Flip Flops.

      Patrizia

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    2. Ich dachte hier wäre man im Gegensatz zu Facebook gefeit vor blöden Kommentaren, aber scheinbar gibt es hier auch Leute für die schöner, größer, weiter besonders wichtig ist.

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      1. Hallo Patrizia.
        Es tut mir Leid das mein Kommentar offensichtlich missverstanden wurde.
        Ich wollte mit meinem Kommentar nur zum Ausdruck bringen, dass durch diesen ansonsten toll geschriebenen „sehr persönlichen“ Bericht ein völlig falsches Bild dieser wirklich wunderschönen Etappe vermittelt wurde.
        Es ging hier nicht um „selbstbeweihräucherung“.
        Peace
        Marcus

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      2. Hallo Marcus,

        o.k. danke für Deine Nachricht. Dann kam der Kommentar anscheinend viel negativer rüber als er gedacht war. Schwamm drüber… Die Etappe war wirklich wunderschön, das haben wir keine Sekunde lang in Frage gestellt. Die Fotos sprechen auch für sich. Für uns, mit einem 10 kg Rucksack aufm Rücken und als Teil einer 12 tätigen Wandertour, aber auch tatsächlich sehr anstrengend. Sind eher ungeübt in dieser Beziehung. Für Tipps, Empfehlungen und konstruktive Vorschläge sind wir aber jederzeit offen und dankbar. Wir freuen uns also auch weiterhin auf Deine Kommentare 🙂

        Viele Grüße
        Patrizia

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  2. Total schöne Bilder und toll geschrieben. Es hört sich wirklich sehr anstrengend an, was ihr da hinter euch bringt. Aber die Mühen scheinen sich ja wirklich zu lohnen ;-).
    Liebe Grüße
    Isabell

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