Camino del Norte #10 – von Colunga nach Villaviciosa

Jakobsweg, Küstenweg, Pilgerweg, Wanderweg, Fernwanderweg, Trekking, Backpacking, Hiking

02.06.2015

Schöner Start in den Tag

Nach dem verregneten Tag hofften wir inständig, dass das Wetter besser werden würde. Wir wurden nicht enttäuscht. Strahlender Sonnenschein weckte uns und ließ uns voller Tatendrang aufbrechen. Anscheinend regnet es in dieser Gegend häufig, wofür der Legende nach die Sagengestalt Nuberu, die auf dem Pico Pienzu, dem Höchsten Gipfel der Sierra del Sueve, sitzt, verantwortlich ist.

Mein Fuß war wie auch in den Tagen davor über Nacht wieder abgeschwollen, zwickte aber weiterhin auf dieser Etappe, die uns über Landstraßen, durch saftige Wiesen und über sanfte Hügel führte.

Je näher wir dem endgültigem Ende unserer Pilgerreise, Gijón, kamen, desto mehr Pilger trafen wir. An diesem Tag war es eine Gruppe von sechs bis sieben Frauen und Männern, die uns auf Teilen des Weges begleiteten. Mal lief man eine Weile gemeinsam, mal trennten sich kurz unsere Wege, um sich später bei einer Pause wieder zu treffen.

Jeder hat auf dem Camino sein individuelles Tempo, in dem er/sie läuft. Man darf es den Leuten nicht krumm nehmen, wenn sie irgendwann sagen, sie würden nun allein weiterlaufen. Viele denken auf dem Camino über ihr Leben nach und wollen dabei ihre Ruhe haben.

Begegnungen, die man nicht vergisst

Eine Frau stach aus der Gruppe hervor. Sie hieß Carmen und war eine interessante Persönlichkeit mit einer außergewöhnlichen Ausstrahlung. Sie absolvierte den Camino del Norte bereits das 6te oder 7te mal  – seit dem Tod ihres Mannes. Der Weg sei wie eine zweite Heimat für sie geworden. Sie hat mit einigen Leuten entlang des Weges, Pensionen-Besitzern, Herbergen-Betreibern und einigen mehr, über die Jahre Freundschaft geschlossen. Man würde sie bereits kennen und freute sich jedes Mal, wenn sie vorbei käme. In Deutschland arbeitet sie im Krankenhaus 10 Monate ohne Pause durch und nimmt sich dann inkl. der Überstunden acht Wochen Zeit für ihren Weg. Sie sagte, sie wäre auf der Suche nach Antworten, die sie in den letzten Jahren noch nicht gefunden hätte. Trotz der Tatsache, dass das Leben  es anscheinend nicht so gut mit ihr gemeint hatte, machte sie einen glücklichen Eindruck.

Es war richtig schön, sich mit ihr zu unterhalten. Es sind immer wieder bewegende Geschichten, die man auf dem Jakobsweg hören/erleben darf.

Carmen machte uns aber auch ein großes Kompliment als sie sah, dass wir immer wieder Händchen haltend unseres Weges gingen. Sie meinte, dass es sehr selten sei, dass man diesen Weg so harmonisch zu zweit absolvieren könnte – das würde für die Festigkeit unserer Beziehung sprechen. Viele Paare lernen sich auf dem Camino von ganz neuen Seiten kennen. Wir waren berührt :-).

Hilfsbereitschaft von allen Seiten

Wir machten mit einer größeren Gruppe Rast an einem Holzhaus, das so eine Art Restaurant mit einem zusätzlichen Rastplatz draußen darstellte. Leider war das Restaurant geschlossen. Der Hausherr war zwar vor Ort, ließ sich aber von Carmen, die spanisch sprach, nicht zum Öffnen übereden. Ist ja auch verständlich, an diesem Tag war Ruhetag, das sei dem Wirt gegönnt. Vor der Tür des Restaurants standen diverse Automaten mit Softdrinks und allerlei Knabbereien, an denen wir uns reichlich bedienten.

Wie immer zog ich bei einer größeren Pause meine bequemen Wanderschuhe aus um den Füßen eine kleine Verschnaufpause zu gönnen. Ich war einen Blick auf meine mal wieder geschwollene Achillessehne. Bei meiner Frage in die Runde, ob jemand einen Tipp für mich hätte, was ich dagegen tun könnte, zuckten sofort drei von ihnen und zogen die Voltaren Salbe aus dem Rucksack. Der Schweizer meinte mit einem Lächeln, wir würden alle die gleichen Drogen nehmen, keiner würde ohne auskommen. Abends schmeißen alle Ibuprofen ein und “cremen” ihre Füße mit Voltaren ein. Auch ich nahm das Angebot mit der Salbe gerne an und schmierte direkt dort meinen Fuß ein. Ich wusste, was ich mir in der nächsten Apotheke auf jeden Fall besorgen würde.

Zurück in die Vergangenheit

Villaviciosa gefiel uns sehr gut, als wir ziemlich abgekämpft nach 17 km eintrafen. Ruhig, hübsch und sehr entspannt. Überall draußen an den Cafés und Restaurants saßen Pilger in der Sonne und stillten Ihren Hunger und Durst.

Unterwegs hatte ich wieder die Muße bei Booking.com unsere Unterkunft in dem Örtchen zu buchen. Die Wahl fiel auf das Hotel Carlos – ein wundervolles Hotel in einem Gebäude aus dem 17. Jahrhundert – mitten in der Fußgängerzone der Innenstadt. Das Zimmer hatte einen knarzenden Holzboden, bodentiefe alte Fenster, es war sehr schön und gemütlich. Der Eingangs- und Empfangsbereich ließ den früheren Glanz des Hotels erahnen. Es war immer noch sehr gut erhalten.

Der Service war sehr gut, angekommen bekamen wir jeder ein Willkommenspaket für Pilger mit einer Kleinigkeit zu Essen und zu Trinken. Das fanden wir richtig lieb, denn wir kamen mal wieder ziemlich ausgehungert an. So haben uns die Snacks direkt etwas Energie wiedergegeben. Einen Teil haben wir als Proviant für den nächsten Tag aufgehoben. Man wusste ja nie, ob sich am Weg ein Bistro oder Restaurant finden lässt.

Frisch geduscht und in sauberen Klamotten gingen wir auf die Jagd nach Abendessen. Nach einem Bierchen in der Sonne und einem kurzem Auf und Ab auf der Flaniermeile trafen wir zufällig das uns schon bekannte österreichische Paar wieder, das in einem Restaurant, El Charrán, draußen saß. Sie waren im Gespräch mit der Besitzerin. Nach einem kurzen Plausch erfuhren wir, dass sie eine deutsche Auswanderin aus Essen war. Sie empfahl uns ein paar Gerichte und vor allem einen leckeren Wein dazu – no Vino, no Camino, aber das erwähnten wir bereits :-).

Wir probierten auch den für diese Gegend bekannten Cidre, der ja sehr spektakulär ins Glas gefüllt wird. Aus möglichst großer Höhe um viel Sauerstoff ins Getränk zu bekommen. Für uns ungeschickte Touristen gab es da sehr putzige elektrische Unterstützung.Jakobsweg, Küstenweg, Pilgerweg, Wanderweg, Fernwanderweg, Trekking, Backpacking, Hiking

Wir unterhielten uns lange mit den Österreichern und aßen dabei sehr gut – es war ein rundherum gelungener schöner Tag. Leider sollte es unser letztes Zusammentreffen mit den beiden sein, da sie am nächsten Morgen äußerst früh los wollten.

Wir wollten auf jeden Fall richtig gut frühstücken, denn von Villaviciosa nach Gijón sollte es nochmal sehr herausfordernd werden – der Berg Alto de la Cruz rief. Selbst die erfahrene Carmen meinte, das wäre anstrengend.

Guido

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