Camino del Norte #12 – Santander nach Cudón

Camino de Santiago, Jakobsweg, Pilgerweg, Wandern, Gehen, Backpacker

Die Infektion mit dem Caminovirus breitet sich aus

In Gijón haben wir uns zwei Übernachtungen gegönnt. Wir schauten uns ein bisschen die Stadt an und verbrachten ein wenig Zeit am Strand – natürlich war bei den mittelmäßigen Temperaturen kein Baden möglich, aber ein Spaziergang mit den Füßen im Wasser war allemal drin. Und ich besorgte mir endlich Voltaren für meinen lädierten Fuß. Die Auszeit tat ihm sichtbar gut.

Irgendwie konnten wir aber nicht still sitzen und nichts tun. Der Caminovirus hatte uns infiziert und breitete sich aus.

Da wir doch besser durchgekommen waren als wir dachten, beschlossen wir die Zeit zu nutzen und noch eine Etappe zu gehen, die wir in den Tagen davor mit dem Bus übersprungen hatten. Die Wahl fiel auf die Etappe von Santander nach Santillana del Mar mit einer Übernachtung  in Cudón.

Zum einen schien das Örtchen Santillana sehr schön zu sein, zum anderen war es verkehrsgünstig gelegen, um von da aus nach Bilbao zurückzukehren.

Wir informierten wir uns in der Stadt über die notwendigen Busverbindungen und am nächsten Morgen ging es los. Kurz nach 8 Uhr fuhr der Bus nach Santander. Nach vier Stunden Fahrt ging es raus aus dem Bus sofort auf die Piste.

Der Weg führte mitten durch die Stadt über die prachtvolle Hauptstraße raus aus Santander.Die Etappe war nicht unbedingt ein Highlight, deshalb hatten wir sie beim ersten Mal auch per Bus übersprungen.

Irgendwann waren wir wieder in der Natur. Durchatmen. Das Wetter war bestens und wir gingen durch eine hügelige Landschaft mit vielen Weideflächen. Aber auch leider mit vielen Häuserruinen. Scheinbar hatte hier die Finanzkrise besonders gewütet – man wanderte durch ganze Siedlungen, in denen die Häuser nicht mehr über den Rohbau hinaus gekommen waren. Manche Häusern waren fast schon bezugsfertig und rotteten jetzt vor sich hin, die Gärten runtergekommen und mit Unkraut überwuchert.

Stand-by-me-feeling

Im Wanderführer stand, dass kurz hinter Boo de Pielagos eine Eisenbahnbrücke als verbotene Abkürzung nach Mogro führen sollte. Da wir uns den 4,4 km  Extraweg über Arce und Oruna sparen wollten, entschieden wir uns für die Abkürzung. Leider war die Stelle äußerst schlecht gekennzeichnet, so dass wir versehentlich doch bis Arce gelaufen waren als wir unseren Irrtum bemerkten. Patrizias Fuß schmerzte mittlerweile sehr stark, jeder Kilometer, den wir weniger gehen mussten, zählte – wir drehten also wieder um und liefen 30 min. zurück.

Irgendwie schafften wir es an der besagten Stelle auf die andere Seite der Bahnschienen zu gelangen und stolperten wir über holprige Wiesen der Eisenbahnbrücke entgegen.

An der Brücke erinnerte ich mich an die berühmte Szene aus dem Film “Stand by me”, in der vier Freunde ebenfalls eine Eisenbahnbrücke vor dem nächsten Zug entlang der Schienen überqueren mussten.

Seitlich der Brücke gab es einen schmalen Weg, wir mussten also nicht direkt auf den Gleisen laufen, allerdings würde uns ein Zug trotzdem unangenehm nahe kommen. Dieser sollte alle 20 min. kommen, wir sollten es also problemlos schaffen. Das Laufen auf den Schottersteinen war aber nicht hilfreich für Patrizias Fuß – so mussten wir das Tempo verlangsamen. Bevor der Zug ankam waren wir auf der anderen Seite und in Sicherheit.

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Einsebahnbrücke

Auf einem kleinen Berg stand eine Kirche, an der wir Rast einlegten. Zwischenzeitlich waren wir doch ganz schön platt, hatten aber noch ein ganzes Stück Weg vor uns.

So schleppten wir uns Kilometer für Kilometer unserem Ziel entgegen.

Im nächsten größeren Ort war allerdings Feierabend. Patrizias Fuß schmerzte zu sehr. Wir mussten die Etappe nach 20 km abbrechen. Wir fanden eine kleine Taverne, in der uns der Wirt herzlich aufnahm. Mit Händen und Füßen haben wir ihm erklärt, dass wir ein Taxi brauchen, das uns in den nächsten Ort bringt. Dieser war nur 6 km entfernt. Für ein Auto ein paar Minuten, zu Fuß hätte es nochmal 2 Stunden bedeutet. Die Wartezeit vertrieben wir uns mit leckerem Café con leche. Der Wirt wollte überhaupt kein Geld von uns nehmen, noch nicht mal für den Café. Wahrscheinlich taten wir ihm leid, er hat gesehen dass wir auf dem Zahnfleisch kriechen. Wir baten ihn als Dankeschön für die Hilfe wenigstens die paar Euro für den Café  anzunehmen und in die Trinkgeldkasse zu schmeißen. 

In der Tat kam nach einer halben Stunde unser Taxi. Wir zeigten ihm in der Booking.com App unsere im voraus gebuchte Unterkunft. Er brachte uns in nur wenigen Minuten nach Cudón zu Posada La Victoria, einem schönen alten Landhaus, dass jetzt eine süße Pension war.

Wir richteten uns nach der Ankunft kurz ein und gingen dann schon äußerst hungrig zum essen. Es war wie immer köstlich.

Guido

 

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